Marvin aus der KRASS!-Redaktion hat sich angeschaut, welche Folgen der globale Fleischkonsum birgt und stellt mögliche Alternativen dar.


Neben den allseits bekannten Verursachern von klima- und umweltschädlichen Emissionen – der Individualverkehr, die Logistikbranche, die weiterverarbeitende Industrie und die verschiedenen, auf fossile Brennstoffe basierenden Formen der Stromerzeugung – steuert die moderne Forst- und Agrarwirtschaft einen erheblichen Anteil zur anthropogen, d.h. vom Menschen verursachten, Gesamtemission an Treibhausgasen bei (ca. 25%, IPCC Bericht 2014 (engl.)):
Mehr als 50% der globalen anthropogenen Methan-Emission lässt sich auf den Reisanbau und die Schlachtviehwirtschaft zurückführen. Neben dem Methan, welches eine ca. 20-fach höhere Treibhauswirkung aufweist als CO2, wird durch die Fleischproduktion 64% der globalen Stickoxid Emissionen erzeugt. Diese sind auf die Überdüngung der Böden für den intensiven Futteranbau zurückzuführen und gilt ebenfalls als hochpotentes Treibhausgas. Darüber hinaus ist die Viehwirtschaft für ca. ein Zehntel der weltweiten CO2 Emissionen verantwortlich.
Summiert macht die Viehwirtschaft weltweit mehr als 18% der Emissionen aller Treibhausgase aus.
Abgesehen von der Ethik einer tierverachtenden Massentierhaltung – wie sie heutzutage praktiziert wird – kann festgehalten werden, dass die Fleischproduktion und -konsum massiv das Klima und die Natur bedrohen.

Auf Grundlage dieser deprimierenden Fakten ist es deshalb umso besorgniserregender, dass der weltweite Fleischkonsum tendenziell steigt. Da ehemalige Schwellen- und Entwicklungsländer zunehmend wohlhabender werden, nimmt der Konsum von ehemaligen Luxusprodukten, wie z.B. Fleisch, deren Produktion um ein Vielfaches ressourcenintensiver und umweltschädlicher ist, zu. Diese an sich erst einmal positive humanitäre Entwicklung hat dramatische Auswirkungen auf die Natur und das Klima. Während in Industriestaaten zunehmend ein mehr auf Verzicht und Enthaltsamkeit orientiertes Leben diskutiert und praktiziert wird, findet in Ländern wie China oder Indien ein gegensätzlicher Trend statt: der durchschnittliche chinesische Fleischkonsum pro Person pro Jahr verfünffachte sich in den vergangenen 30 Jahren von 13 kg auf ca. 65 kg (DER SPIEGEL, 8/2017). Es wäre äußerst hypokritisch diese Menschen dafür zu tadeln, während man als Europäer jene Lebensstandards als gegeben voraussetzt und selbstverständlich auslebt. Die Frage ist somit letztlich, wie viele Menschen mit europäischen Konsumvorstellungen die Erde vertragen kann. Wie viele „Erden“ braucht die Menschheit, wenn alle den westlichen Lebensstandard leben würden?
Die Antwort hierauf ist schockierend und zeigt auf, dass wir grundlegend etwas ändern müssen:

Wollten alle 9,7 Milliarden Menschen des Jahres 2050 genauso viel Fleisch verbrauchen, wie jeder Deutsche schon heute, wären 3 Erden notwendig!

(DER SPIEGEL, 8/2017)

Ziel sollte es also sein, auf der einen Seite für die Ernährung aller Menschen mit gesunden Lebensmitteln zu sorgen, während auf der anderen Seite die ökologische Verträglichkeit und Nachhaltigkeit der Lebensmittelproduktion auf globaler Ebene gewährleistet wird.

Im Folgenden werden zwei Beispiele für mögliche Lösungsansätze des Ernährungsproblems dargestellt. Beide verbinden moderne Errungenschaften in der Lebensmittelchemie mit einer ökologisch-nachhaltigen Agenda:

Impossible Foods Inc. ist eine US-Amerikanische Firma, welche sich zum Ziel gesetzt hat, (Hack-)Fleisch aus Pflanzenproteinen herzustellen, um so die negativen Auswirkungen der Viehzucht auf die Umwelt zu umgehen. Zunächst wird die das Fleisch auf der molekularen Ebene analysiert und dann mittels Biochemie durch geeignete pflanzliche Komponenten imitiert, sodass sich das Produkt im Endeffekt nur kaum in Sachen Textur, Geschmack, Geruch oder Aussehen von richtigem Fleisch unterscheidet; bis auf die Tatsache, dass keine Tiere zu Schaden gekommen sind. Der essentielle Trick bei der Imitierung sei das Blutprotein Häm, welches das Unternehmen künstlich durch Verwendung von Bakterien herstellen kann.
Das Hauptprodukt des Unternehmens ist bisher der „Impossible Burger“, welcher derzeit nur in ausgewählten Restaurantes in NYC und San Francisco serviert wird. Ziel sei es jedoch, weitere Fleischsorten nachzuempfinden und diese für die breite Masse zugänglich zu machen, wofür jedoch der Preis deutlich fallen müsste.

Fleisch aus Zellkulturen. Die Frage ist, weshalb man eigentlich ein ganzes Tier aufziehen und anschließend schlachten muss, wenn man doch nur gewisse Teile des Tieres wirklich benötigt. Dies ist zum einen energetisch und ressourcentechnisch ineffizient und zum anderen auch noch tierverachtend und unethisch. Dieser Fragestellung widmete sich der Forscher Mark Post von der Universität Maastricht und wendete das Prinzip der Zellzüchtung, wie es z.B. in der humanen Transplantationsmedizin für Organe bereits genutzt wird, auf lebende, tierische Muskelzellen an. Im Jahr 2013 konnte so der erste gezüchtete Burger hergestellt werden – jedoch unter einem unsagbar hohen finanziellen Aufwand.
Auch diese Methode soll durch Skalierung erschwinglich für die Massen werden, wodurch im Vergleich zur konventionellen Viehwirtschaft ca. 35 bis 60% weniger Energie und bis zu 98% weniger Land benötigt werden soll. Dies entspräche eine Treibhausgaseinsparung von bis zu 95% (DER SPIEGEL, 8/2017).

Viele der momentan diskutierten Lösungen des Fleischkonsum-Problems sind bisher nicht massentauglich und/oder wirtschaftlich – die beiden hier präsentierten Vorschläge bilden dabei keine Ausnahme. Zwar findet seit einigen Jahren ein allgemeines und sukzessives Umdenken in der deutschen bzw. europäischen Bevölkerung in Sachen Ernährung statt, jedoch fehlt es noch an flächendeckender Abwendung vom Genussprodukt und „Klimakiller“ Fleisch. Davon abgesehen müssen Fördermaßnahmen auf staatlicher und internationaler Ebene ergriffen werden, um ökologische Probleme, wie z.B. das systematische Überdüngen der Böden, zu lösen und eine nachhaltige Agrarwirtschaft in Schwellen- und Entwicklungsländer zu realisieren.
Darüber hinaus lehnen viele Menschen den Verzehr von Tofu-Produkten ab oder haben Vorbehalte gegenüber ähnlichen Lebensmittel.
Alles in allem bin ich daher der Ansicht, dass moderne Lebensmittel, wie der „Impossible Burger“ einen vielversprechenden Ansatz darstellen könnten, Menschen von einer Ernährung und einer Zukunft ohne Fleisch zu überzeugen.

Entscheidend ist, dass es so nicht weitergehen kann und darf!


Was ist deine Meinung zum Thema? Den ganzen März befassen wir uns mit dem Thema Ökologie, schick uns einfach einen Artikel oder Kommentar. Mehr Infos unter „Mach mit“.